Die Große Feuersbrunst von Großberghofen im Jahre 1823

Abschrift durch Simon Hutter

Die Geschichte des großen Brandes und die Wiedererbauung des Dorfes Großberghofen.
Geschrieben von Georg Seitz, Mesmer am 30.März 1824.

Das große Unglük, und die große Hilfe.

Wenn es sollte Menschen in die Hände kommen (die Chronik), die dieß Ort unbewußt wär so wird beigesetzt, daß dieß Dorf "Großberghofen" Königlich Landgericht Dachau, im Isarkreis, an der Straße von München nach Aichach, eine Stunde von der Post Schwabhausen, hat 37 Häuser und 220 Einwohner. Dieses Dorf wurde am 17. April 1823 mit einer furchtbaren Feuersbrunst heimgesucht. An dem genanten Tage, an einem Donerstag, 8 Tage vor dem Patrozinium des Georgi Tags um 3/4 11 Uhr Mittags, da wurde der Meßmer als Thor ausgelacht, da es bei vielen geheißen, was macht der Meßmer heut schon Freitag, daß er zusammen läutet, aber deroweil wurde Sturm geschlagen, bis das Geschrei erscholte "Feuer" beim Kötzerbaurn brennts.

Das Feuer kam im Bakhaus aus, wo sie Agen vom gebrochenen Flachs brannten. Auf dem Bakofen lag weißes Gsott, welches in Folge großer Sprünge des Bakofens, durch welche die Flammen schlugen Feuer fing. Der schrökbar gehende Wind trug das brennende Gsott fort, und sogleich stand der Haker-Stadel in Flammen, wo alles Pferd und Rindvieh verbrannte. Lauter mit Stroh gedekte Scheuern, und da stand alles mit unglaublicher Schnelligkeit im Feuer, ehe man zu Hilfe greifen konnte, in der Zeit von nicht ganz 3/4 Stunden standen 26 Wohn-Häuser, nebst Scheuern, Ställen, Bakhäuser, im ganzen 53 Firste im schreklichen Brande. Eine schauerlichere Stunde, als diese, kann es wahrlich nicht mehr geben. Das Gerassel des Feuers, das Krachen der einstürzenten Gebäude, das Toben und Sausen des heftigen Nordwestwindes, das Jammern und Hilfegeschrei der Unglüklichen, das Daherlaufen der Rettenden, die wimmernden Schläge der Sturmgloken machten einen Eindruk, der durch Mark und Bein ging, und den keine Zeit mehr verlöschen kann.

Noch immer, wenn wir davon reden, oder reden hören, durchdringt uns eine wehmütige Empfindung. Das kgl. Landgericht Dachau, Indersdorf, Altomünster, Odelshausen, ja alles was in der ganzen Umgegend komt mit Löschgeräten, alles was gehen und laufen konte, war in der möglichsten Schnelligkeit herbeigeeilt, allein für den Hauptbrand doch zu spät, und die liebreiche Hilfe mußte sich blos darauf beschränken, daß nur jene Häuser, die außer der Richtung des Windes standen, nicht durch die Hitze angezündet wurden. Dadurch wurden doch noch 10 Häuser, der Zehentstadel und die Kirche gerettet. Der Wind oder Sturm ging so arg, daß vom brennenden Stroh von Großberghofen in Niederoth noch drei Häuser angezündet wurden, und abbranten.
Als nun die Häuser zusammengefallen, und in einen glühenden Schutthaufen verwandelt waren, standen, knieten, oder saßen, etwa auf einem halb verbranten Balken die Verunglükten davorhin, Händeringend sich wiendend nicht mehr weinend, sondern heulend. Endlich erhoben sie sich, Mütter mit ihren Kleinen, auf den Armen oder an der Hand führend, Väter mit den wenigen noch geretteten Habschaften, die Alten, die vor Elend kaum mehr wanken konten und suchten bei den Nachbarn Herberge. Jetzt war aber das Elend nochmals das, daß man in auswärtige Ortschaften gehen mußte, um Herberge zu bekommen, im Dorf war es unmöglich, soviel Leuth und Vieh unterzubringen, weil nur mehr drei Bauern waren. Gneiling,- Raich,- und Grubbaur. So mußten sich einige nach Eisenhofen, Oberroth, Erdweg, Walkertshofen, ja sogar bis Welshofen flüchten, um Unterschlupf zu bekomen.

So verging dieser für Großberghofen stets unvergeßliche Abend. Wie der erste Schlaf mag ausgefallen sein kann sich leicht jeder denken, aber der doch nicht so, als der, der es selbst schon erfahren hat.

II.
Der dritte Tag darauf war der Sontag, anstatt des feierlichen Gottesdienstes hielt der Seelensorger eine stille hl. Messe. Vor dem Anfange derselben wandte er sich zum Volke, um einiges zum Troste zu reden.
Allein kaum waren einige Worte gesprochen, so ertönte schon ein allgemeines Schluchzen, dann weinen überlaut. Es waren auch viele Leute von auswärts gekommen, um das Elend zu sehen, auch diese weinten mit, und man sah in der ganzen Kirche kein trokenes Auge mehr. Als nun die hl. Thränen = Meße geendet war, gingen viele wieder auf dem gewohnten Wegen ihren Brandstätten zu und überließen sich mit den Ihrigen den Gefühlen des Schmerzes.

Vorzüglich war ein Beispiel heiliger Ergebung. Ein Mann stand mit den Seinigen vor dem abgebrannten Haus, und sprach mit festen Blik zum Himmel "Herr auf dich werfe ich alle meine Sorgen, du kanst den wieder heilen, den du geschlagen hast." Der Erfolg zeigte, daß sein Vertrauen nicht zu Schanden wurde.

Acht Tage darauf war der Markustag, alwo sehr viele Leute zusamenkomen auf dem Petersberg, die da ihren Bittgang dahin machten. Da hatte eben unser Herr Expositus Mathias Baur die Predigt und brachte unterdessen an die ganze umliegende Gegend die Bitte vor, uns in dieser großen Noth nicht zu verlassen. So wurde ein solches Mitleid erregt, das alles in lautes Weinen ausbrach, ja Hr. Expositus Baur selbst konnte sich nicht mehr enthalten von Thränen, und alles wurde zum Mitleid derart bewegt, daß in ganz kurzer Zeit von allen Seiten Hilfe herströmte, ohne von Abbrändlern gebeten zu sein.

In dieser höchst betrübten Stimmung und Lage versuchte der Seelsorger nach dem Unglüke die niedergedrükten Gemüther doch in etwas wieder aufzurichten. Er zeigte ihnen auch Gott den Vater der Armen und Bedrängten, von dem alle Hilfe kömmt, und sagte ihnen von der sicheren Hoffnung, daß Gott gewiß Hilfe durch gute Menschen senden werde. Es war noch sehr kalt und sehr vielen Leuten waren auch alle Schuhe verbrannt und siehe Wunder, den andern Tag kamen schon von umliegenden Schuhmachern so viele neue Schuhe, daß den Nothleidenden, die es so notwendig bedurften geholfen war, und von da an kam von allen Seiten Hilfe, daß man sich wundern muß, wie es möglich ist, dass Gott so viel Liebe in den Herzen der Menschen erweken kann.

Man kann zwar kein Urtheil fällen, über dieß große Unglük, so uns getroffen, man muß es der allerweisesten Vorsehung Gottes überlassen, da es nun einmal geschehen war, suchten wir unsern besten Trost in der heiligen Wahrheit, daß es gewiß eine heilsame Zulassung deßjenigen sei, ohne dessen Wissen und Willen kein Haar von dem Haupte fällt, der die Geister zu seinen Boten, und die Feuerflammen zu seinen Dienern macht.
Dem kgl. Landrichter Titl. Hr. v. Eder fordert es in Wahrheit die Pflicht des Dankes, daß es die verunglükten Großberghofer niemals vergessen, und es jederzeit dankbar anrühmen, wie thätig und kräftig daß königliche Landgericht in allen Angelegenheiten sich ihrer angenomen habe.

Es standen die Häuser noch in Flammen, also auch sind sogleich Königlich Beamte von Dachau, Hr. Landrichter Eder, sein Schreiber und Gerichtsdiener Buchner erschienen. Ihre erste Angelegenheit war, sich zu benehmen, was jetzt das allernotwendigste sei, und wie an allerersten und schnellsten geholfen werden kann. Sie machten alsogleich Anstalt, daß Speisegetreid zum Besten der Verunglükten abgeliefert wurde. Herr Pfarer Niklas von Arnbach brachte das erste Getreide, 2 Scheffel Korn, und auch sogleich ein Fuder Stroh, und ein Fuder Grummat. Ebenso kam es von Hr. Pfarern von Oberoth, von Walkertshofen, und Welshofen, wie auch von unserm Hr. Pfarer von Sittenbach. Von dem hatte jeder Häusler ein halbes Scheffel, und jeder Baur ein Scheffel Korn bekommen. Dann von Hr. Grafen von Weikertshofen ebenfalls ein jeder 1 halbes Scheffel Korn und 1 Zt. Heu. Vom untern Wirt in Weikertshof jeder 1/2 Scheffel Korn, von hiesigen Knailingbaurn Johann Westermayr jeder Häusler 4 Viertel Korn, die Bauern 1 Scheffel, weil sein Hof gerettet wurde. Dann kam noch an Geld milde Gaben und Beiträge an die Verunglükten, als Hr. Verwalter Bergmann von Weikertshofen, und unsern Hr. Expositus Baur, sowie auch von einigen unbenannten, sodaß alsogleich von Hr. Expositus Baur verteilt wurde, wo jeder Häusler 3 Gulden erhielt. Dieß war jetzt schon ein Balsam auf die Wunden der so schwer niedergedrükten Gemüther, besonders derjenigen welche sich von ihren größtenteils selbst unvermöglichen Verwanden und Freunden wenig Hilfe hoffen konten.

III.
Nun Gott segnete diese Liebesgaben, so daß weder Menschen noch Vieh Noth leiden durften, und die dringensten Bedürfnisse befriedigt werden konten. Also nahmen die meisten Empfänger diese Gaben hin, und benetzten selbe mit Thränen des Dankes.
Gleich in den ersten Tagen ging es mit der regsten Thätigkeit an die Herbeischaffung der Baumaterialen, alles was Zugvieh hatte, Baur, wie Gütler waren in einem Umkreise von 4-5 Stunden auf das liebreichste bereitwillig. Nur äußerst wenige fertigten die Bittenden mit leeren Versprechen oder mit rauhen Worten ab. Dagegen waren andere so höchst liebevoll und dienstfertig, daß die Bittenden kaum aus dem Hause waren, als ihnen die Fuhren schon nachfolgten und oft sogar ungebeten kamen viele. Viele merkten sich die Bittenden vor, damit jeder seine Wohlthat erhielt. Wenn man bedenkt, daß mehr als 400 000 Ziegelsteine hieher geliefert wurden, dabei die Menge Fuhren zu Dach-Platten, Bauhölzer, Bretter, Latten, Kalk, Sand etc. nur nach Anschlag berechnet, so muß man annehmen, daß wenigstens 22 000 Fuhren während diesen Sommers zum aufbauen in unser Dorf kamen. Wenn man an manchen Tagen auf einer Anhöhe stand, und auf allen Wegen große und kleine Fuhrwerke, einer hinter dem ändern, oft bei schlechten Wetter herbei kommen sah, und dabei bedachte, wie die guten Leute mit Hintansetzung und Versäumniß des Ihrigen, mit Zeit und Kostenaufwand, mit beteutenden Schaden an Wägen, Roß, und Geschier, oft aus einer Entfernung von 4-5 Stunden diesen Liebesdienst verichteten, so war es zu Thränen rührend, und man mußte zum Himmel aufbliken, und mit gerührten Herzen danken, Gott dem Geber alles Guten, daß er so viele heilige Liebe in den Gemüthern der Menschen erwekte, und die Herzen wie Wasserbäche zum Besten der Unglüklichen leitete.

Alle diese Wohlthäter verlangten und erhielten keine andere Dankesbezeugung als nur einen Handdruk mit dem aufrichtigen Herzenswunsche: "Gott vergelte es dir," und etwa noch ein Glas Bier und ein Stük Brod dazu. Darum könen wir nicht genug danken, Gott wird Ihr vergelter sein.

IV.
Nachdem der Situations-Plan = Platz aufgenomen, und jedem sein Platz angewiesen war, denn Zwei haben sich vertauscht, der Wagner und der Lenz, ging es mit aller Kraft an das Bauen. Den Bau selbst aber wollten die Verunglükten nur mit Gott anfangen, denn sie fühlten in Ihrem Getränge sehr wohl, daß wenn Gott das Haus nicht baue, alle Arbeiter vergeblich arbeiten. Sie hielten derowegen um eine besondere Andachtsübung an. Es versammelte sich die ganze Gemeinde und viele Handwerksleute und Arbeiter am 8. May (Mai) um 6 Uhr Morgens zu einem feierlichen Bitt-Amt, nachdemselben gingen sie im betenden Zuge über die Brandstätten hin, in der Mitte derselben fielen alle auf die Knie nieder zu einem lauten allgemeinem Gebete, um den Segen Gottes. Es war ein rührender Anblik, die ganze Gemeinde Männer, Weiber, Kinder, Greise, welche alle die bittere Noth so von Herzen beten lehrte unter freiem Himmel "0 Herr erbarme Dich unser, Christi erbarme Dich unser," zum all Erbarmer hinauf rufen zu hören. Andemselben Tage wurden auch noch einige Grundsteine gelegt.
Gott segnete auch wirklich dieses Bauen. Wir hatten immer herrliches Wetter, was das Bauen ungemein förderte. Es wurde bei dem großem Kummer und unaussprechlichen vielen, und verschiedenen Mühseligkeiten während des ganzen Bauens den ganzen heißen Sommer hindurch niemand krank, und es ereignete sich bei den vielen beschwerlichen, und gefährlichen Arbeiten während des Bauens kein größeres Unglück. Blos beim Kötzerbaur fiel ein Maurer herunter, der hat sich den Arm gebrochen.

V.
Anfangs hielt man die Wiederherstellung und Erbauung so vieler Häuser und Stadel in einem Sommer und Herbst für unmöglich. Wenn es auch an Werkleuten und Material nicht fehlen wird, dachte man, so müsse es an Fuhrwerken fehlen, besonders, wenn einmal die Heu und Getreide-Ernte komme. Man verschiebt zwar die Zubaugütl auf das künftige Jahr zu verfertigen, ja es wurde auch Anstalt getroffen, das auch weit entfernt Hölzer gekauft und Dachstühle verfertigt wurden.

VI.
Aber etwas anderes schien, das angefangene Bauen hemmen zu wollen, - der Geldmangel, bis die Anweisungen der kgl. Regierung des Isarkreises an die kgl. Landgerichte, wenn ein Geld vorhanden, selbiges vorzuschießen, und wirklich war ein guter Freund, der sogleich 1000. Gulden Vorschuß machte, diese wurden auch sogleich ausgeteilt. Allein, was war dieses für so viele Verunglükte. Nun auf dieß kann. man den Anfang machen, und Materialen zu bestellen, und weil alle ganz hoch in der Brandassekuranz eingeschrieben waren, so gab man Material überall zum Voraus her, weil sie in der Hoffnung waren, sobald Geld von der Versicherung komt, auch Sie bezahlt würden, so auch wirklich geschah. Es waren auch noch andere gute Freunde, welche Geld vorstrekten, und so ging allso das Bauen in geschwinder Eil vorwärts, so daß man am 24. May schon wiederum das erste Dach sah.
0, welche Freude, diese war groß, Gott Lob, sagte einer zum andern, weil wir nur wieder ein Dach sehen. Bis zum Anfang der Heuernte sahen wir schon mehrere, und bis zur Getreideernte alle der größeren Häuser und Städel.

VII.
Was und wie aber die Abbrändler arbeiteten, alle ohne Ausnahme, ist beinahe unglaublich. Männer, Weiber, Greise, und Kinder, die oft noch sehr klein waren, sah man von 6 Uhr morgens bis 6 Uhr Abends unaufhörlich Steine tragen, Mörtl rühren und den Maurern helfen. Nebst diesen schweren Arbeiten welche durch die beständige Sommerhitze noch mehr erschwert wurden, bestellten sie auch die Felder, fuhren Heu ein, und Ernteten, alles zur gehörigen Zeit. Es war aber auch zum Erbarmen, wenn man sah, wie diese guten Leute, sobald nur der Morgen graute, schon auf ihren Feldern und Wiesen waren, um dann in der sechsten Morgenstunde wieder bei den Werkleuten zu sein, dann, wie nach Feierabenstunde der Werkleute, Abends die Leute zu ihren Feldarbeiten hinauseilten und wieder arbeiteten, bis ihnen das Dunkel der Nacht die Weiterarbeit verbot.

Auch der Sontag war für ihre müden Glieder meistens kein Ruhetag. Da mußten die Männer ausgehen, Material besorgen, die Dienstboten und größeren Kinder mußten Fuhren erbitten. Den Dienstboten muß zur Ehr nachgesagt werden, daß sie ihren Hausvätern auf das Eifrigste beihalfen und sie tatkräftig unterstützten.
Ein Mann der den ganzen Feiertag um Material und Fuhren herum ging, kam Abends spät müde und ermattet heim. Da in dem Hause, wo seine Familie wohnte, schon alles in Ruhe war, so wollte er keine Störung machen, er ging also auf seine Brandstätte zurück, weinte sich aus, und legte sich auf der Brandstätte nieder schlief und ruhte daselbst. Solche stille und nur allein von Gott gesehene Thränen und Leiden gab es der Menge nach. Wer die Mühseligkeit, Plagen, und gar oft bitteren Drangsale der Großberghof er sah, der möge bei dem Anblike der neuen Hauser bedenken, daß sie mit viel Schweiß und viel Thränen gebaut sind. Es dürfte vielleicht auf allen, daß so oft von Thränen und Rührung bis zu Thränen erzählt wird, unsere Leiden und Bedrängnisse waren auch wirklich nicht die des gewöhnlichen Alltagslebens.

Wer einmal in einem ahnlichen Leidensdrange war, und sich recht in unsere Lage versetzen kann, der möge urtheilen.

VIII.
Obwohl man schon im allgemeinen mit dem Fleiße vieler Werkleute wohl zufrieden sein kan, so sieht man doch aus den vielen vorhandenen Aufschreibungen, und den gemachten Vergleichungen, daß doch ein großer Unterschied zwischen Werkleuten und Werkleuten sei. Ein Unfug, der Uns schwerfiel, kann hier nicht unberührt bleiben. Wenn nach einem sogenannten Aufheb- oder Firstenbier die Werkleute auseinander gingen, so war es oft nicht anders, als wenn sie von einem lustigen Kirchweih-Tanz kämen. Man hätte auf unsere Lage und Bedrängniß Rüksicht nehmen sollen, überhaupt wäre es wohl billig wenn in diesem Handwerksgebrauche ein Unterschied zwischen einem Brand- und einem Freibau gemacht würde.

Zu der Zeit, wo alles im größten Bau begriffen war, waren über 250 fremde Handwerksleute und Arbeiter in unserm, sonst stillem und einsamen Dorfe. Durch diese Fremden, von allen Orten her zusammen gekommene Leut wurden die Sitten nicht besser.
Die Materiallien wurden von vielen gut und um billigen Preise geliefert aber nicht von Allen. Einige benützten die Zeichen der Zeit, und ließen sich, gemäß sicher eingehollten Erfahrungen von den Abbrändlern alles teuer bezahlen; daher hatte jemand wohl recht, wenn er sagte: "Einige Leute suchen mehr unsere Wolle, als unser Wohl". (P. Abraham a. Sk. Clara) Anmerk. Verfaßer dieses war Schuster im Closter Taxa, und kante P. Abrahams Schreibweise und Ausdrüke.)

Für die Abbrändler kamen an Brandentschädigungs-Geldern 20,000 Gulden in unser Dorf, die sich alle (die Gulden) ,- (bis auf etliche wenige Maurer und Zimmerleute,) die Fremden Werkleute forttrugen, alle in einem Umkreise von 4 - 5 Stunden zerstreut. Alle Gewerbe waren in regster Tätigkeit.

IX.
Die Brandentschädigungssumme konte Ende des Monats Juli erhoben werden, die an sich sehr bedeutende Summe von 19 000 Gulden.(1 000 Gulden kamen später.) Durch große Hilfe vom Himmel, und von den Menschenfreunden wuchsen die Häuser nach und nach heran bis zur Vollendung, die Kleinen wie die Großen, schön und bequem und gut gebaut.

So kam unter so vielen Leiden, Drangsalen, und Arbeiten auch das Fest unserer Kirchweihe, als den 2 ten Sontag im September, das allgemeine Ziel zum Einzuge in die neuen Häuser und Wohnungen, daß sich auch die Ärmsten setzen. Der flehenste Wünsch aller wurde erfüllt. Am Vorabend des Kirchweihfestes zog die letzte Familie in sein Haus ein.

So stand in 20. Wochen alles neu da, und jeder hatte seine Wohnung, was wir uns anfangs nicht einmal zu denken getrauten. Wo alle Menschenhände zu kurz sind, ist Gottes Hand noch immer lange genug.

X.
Die Häuser stunden, wie sich wohl denken läßt, bei den meisten mit Schulden belastet, mehr oder weniger da, dazu leer von aller Hauseinrichtung etwa bis auf ein Bett, was da noch Geld nötig war, kann nur der bemessen, der sich die Mühe geben mag, sein Hausgeräthe zu berechnen.

XI.
Nun dachten die Abbrändler auf ein feierliches Dankfest. Es war auch wahrhaft billig und gerecht, ihre Pflicht und ihr Heil dankbar zu preisen den Herrn und Vater, der sobald und so mächtig geholfen hat. Unsere Hilfe kömt von Gott dem Herrn, der Himmel und Erde erschaffen hat. Es wurde alles in Errinerung gebracht, wie und durch wenn Gott Hilfe sendete, dankten allen Wohlthätern den Hohen und Niedern, Bekanten und Unbekanten, Nahen und Fernen, wie auch dem Könige Maximilian Allerhöchstseligen Andenkens, dem Gründer der Brandversicherungs-Anstalt, ohne welche bei gegenwärtiger Zeit die wenigsten Häuser hätten erbaut wären könen, herab bis auf den Geringsten, der zum besten Großberghofens aus Pflicht oder aus liebe seine mildtätige Hand ausstrekte. Die Rührung der Dankbarkeit stieg auf das Höchste.

XII.
Das Ganze beschloß die Weihe der Häuser. Das sinnvolle Gebet enthält die schönsten Winke, dieselbe so rührend, als lehrreich zu machen. Sie ergriff auch die meisten Herzen der Alten und Kinder so, daß sie thränenden Augen die Versicherung gaben, sich zu hüten, daß das neue Haus durch kein Unrecht entweiht, werden sollte. Gott segne diese Versicherung.

XIII.
Noch ist kein besonderes Denkmal der Dankbarkeit erichtet. Es sagt zwar ein großer Dichter: "Wohlthaten schreibt man in Sand, umbilden aber in Erz."
Bei allen Großberghofer ist dieß gewiß nicht der Fall. Es sind Familien, die in ihrem Herzen schon lange das Denkmal der Dankbarkeit errichtet haben. So oft sie sich zu ihrer täglichen Hausandacht versammeln, auch insbesonders noch vor Gott ihrer Wohlthätter gedenken; und jetzt noch, wenn in der Kirche oder bei einer anderen Gelegenheit von den großen Wohlthaten die Rede ist, so fließt ihr Auge in Thränen über.

Dieß ist die ganze Geschichte des großen Brandunglükes und der großen Hilfe der Bewohner Großberghofens, ferne von Schmeichelei, so ganz getreu nach der Wahrheit, daß nicht blos die Erwachsenen, sondern auch die Kinder von jeder Erzählung und allen Umständen Zeuniß geben könen, den man hatte nichts anderes im Sinne, als nur Gott zu loben und zu preisen, der die Urquelle alles Guten ist, und denen zu danken, die aus dieser heiligen Quelle zum Troste der Verunglükten schöpften.

Gelobt sei Jesus Christus, in Ewigkeit Amen.

Die Geschichte des großen Brandes und der Wieder-Erbauung des Dorfes Großberghofen.
Mit einigen Wortendes Dankes.

Geschrieben von Georg Seitz, Mesner in Großberghofen,

Du machest zu deinen Boten Winde, und zu deinen Dienern Feuerflammen.
Psalm 103. 14. V.

Allen Wohlthätern aus den Höheren und Niederen Ständen.
In der Nähe und Ferne den Bekanten und Unbekannten weihen diese Worte des Dankes und dieser treuen Erzählung unseres großen Unglükes, und unserer großen Hilfe, als ein geringes Denkmal unserer innigsten Dankbarkeit der durch den großen Brand verunglükten Bewohner von Großberghofen als nämlich:

Worte sind nicht im Stande, die Gefühle unserer Herzen auszudrüken über die Theilnahme, der unser Elend erleichternden Liebe aller unserer Wohlthäter, sowohl in der Nähe, als auch der Ferne, aus Höheren und Niederen Ständen, wie sie Gott im Himel alle zur Theilnahme angeregt.
0, Kinder Gottes, vernehmen sie noch einmal, in welchem Elende wir vor kurzem waren, und wie uns so wunderbar geholfen wurde.

Wir hatten vor nicht mehr langer Zeit nichts mehr, als Schutt und Asche von unserer Habe übrig. Ach, selbst der Anblik der damaligen Brandstätten wirkte schmerzlich auf das leidende Herz, da er an jedem neuen Tage den alten Schreken nicht nur den Augen widerhollte, sondern auch oft, wo sonst alles in stiller, sanfter Ruhe eingeschlummert war, jetzt das Herz durch Schrekensbilder unruhevoll vom Schlafe aufgestört. Verhängnisvolle harte Stunden, sind nun vorübergegangen, viel mußten wir dulden, große Leiden übertragen.

Zu wem konten wir in diesen härtesten Prüfungen des Lebens um Trost und Erleichterung der Drangsalle flehen, als zu dem, der die Quelle aller Liebe, der Vater der Erbarmung und jeden Mitleidens ist zu Gott unserem Vater im Himmel.

Er war der Erste, der um seine allmächtige Hilfe, tränenvoll von der noch rauchenden Brandstätte aus angefleht wurde. Das Herz konte da in den ersten Stunden nichts anderes tun, als gegen Himmel rufen, indem er die väterlichen Wohnstätten und all die irdischen Habseligkeiten von den raubenden Flammen verzehren sah.

Da noch der Rauch aufstieg, wie eine sich furchtbar windende Wolkensäule, da Dampf und Feuer von der vätterlichen Heimat wie aus einem glühenden Ofen die Funken schreklich gegen den Himmel spritzten, da war es unmöglich, die ersten Gefühle des Elendes zu unterdrüken, ach meine Heimat, wo ich geboren, wo ich die Tage meiner Kindheit verlebt, Trost und Freude so oft empfunden, - wird ein glühender Kohlenhaufen. Und so, wie überhaupt ein Übel um so schreklicher wird, wenn man sieht, wie viele demselben unterliegen, so war es auch bei uns.

Beinahe ein ganzes Dorf auf einmal in Feuerflammen, wer soll nicht zittern bei einem solchen Anblik? Oder wer kann ungerührt bleiben bei dem Anblike einer Menge plötzlich verarmter Familien? wenn er sieht den Jamer so vieler Mitbrüder und Vater, die sprachlos dastunden, so vieler Mütter, welche die Hände rungen, so vieler Greise, die fast in Ohnmacht fielen, der Kinder die an den Kohlenhaufen der eingestürzten Balken winselten, wer dieses könte, hätte wahrlich aufgehört, Mensch zu sein, Mitglied jenen Bundes, den das schöne Himelsband des Mitleidens mit Gott vereint.
In diesem unserem größten Leiden war auch Gott, wie überall in großen Leiden der Menschen uns am Nächsten. Er hörte das sprachlose Flehen der Männer, die Stimmen der weinenden Frauen durchdrang den Himmel, das winseln des Säuglings in der flüchtenden dem Brande nahen Wiege, der schneller als wir glaubten kamm, kam auch schon Hilfe mit den Gaben der erbarmenden Liebe.

Feuer legte Häuser nieder, Liebe baute sie wieder auf, aus dem Schutte gingen schönere Heimaten hervor. Wahrlich, Großberghofen hat große und viele Wohlthätter gefunden. In einer sehr kurzen Zeit stand beinahe das ganze Dorf neu da. Wie danken wir für all die theilnehmende Liebe, für allen den Trost, für alle die Linderungen des Leidens für die so große Unterstützung aller unserer Wohlthätter mit einem Danke, der einer solchen Liebe würdig ist.

0, Ihr Freunde, die sich über uns erbarmt haben, die Tränen selbst die sie getroknet, die getrösteten, hilflosen Herzen, die durch sie im Hunger sättigung, im Kummer Linderung, im Leide Mitleid und Trost gefunden, die wieder aufgebauten Heimaten sind ein bleibendes Denkmal ihrer Liebe und unseres Dankes, sind ein Werk würdig, vor das Auge des ewigen Richters zu tretten, dem es nicht entgeht, wenn Heimatlosen eine Herrberge gegeben oder ein Hungriger gesättigt, ein Trauriger getröstet wird.

0, Freude! Gott ist Ihr vergelter. Aber auch wir werden niemals vergessen, was sie an uns getan. Wir werden segnen unsere Wohlthäter, so oft wir auch die neuerbauten Wohnungen sehen. Daß uns wieder Frohsinn erheitert, und nach so trüben Stunden die Sonne wieder milder scheint, ist ihnen zu verdanken. Ja, unvergeßlich soll unser ganzes Leben hindurch verbleiben, was an uns geschehen ist. Eingegraben in die tiefe des Herzens ist jede Gabe, jeder Wohltäter, jede mitleidsvolle Hand mit milder Gabe gegen uns ausgestrekt bleibt in unserem süßesten Andenken, und unsere Kinder werden nie vergessen, um in den spätesten Jahren noch ihren Kindern und Enkel erzählen, was ihnen in diesen traurigen Tagen ihres noch zarten Alters zur Linderung erwiesen wurde.

0, was hat Gott an uns getan! Gott vor allem sei gepriesen und angebetet, daß er solche Herzen uns erwekt hat.
0, wenn wir vorher hätten angefangen zu rechnen, zu zählen, die Bedürfniße einzelner vor Augen zu stellen, die Gott nun befriedigt hat, wir hätten uns die Sachen als unmöglich vorgestellt, denn wir hätten nie gedacht, daß so großes Mitleid, so viel Erbarmen, so viele Freude uns werden soll. Wahrlich, selbst unsere so schnell erbauten Häuser sind ewige Denkmäler dieser erbarmenden Liebe, jeder Balken, jeder Stein, jedes Sandkorn soll ein Denkmal sein, soll zur Freude stimmen, soll zum Lobe des Herrn rufen.

Wir meinen, wir sehen sie noch die tausend Hände, die zu unserem Wohle beschäftigt waren, die tausende Fuhren mit Holz um Steinen, wie sie so geschäftig, selbst unter herabstürzung von so viel Regen herbei eilten, und an dem Bauen mithalfen. Bei einer solchen, allgemeinen Liebe, wer verkennt die einwirkende Hand des Herrn! Ewigen Dank, dem Ewigen, dem Unendlichen!

Aber auch sie, O Freunde nehmen sie hin die unaussprechlichen Dankesgefühle der Bewohner dieses Dorfes.

Worte könen diesen Dank nicht genug ausdrüken. Auch geschah es, daß die gutherzigen Menschen gar nicht ins Dorf kommen, viel weniger zum Eigenthümer, der ihnen danken sollte und konnte, und wir wussten oft nicht, wer, oder für wen dieser oder jener etwas gebracht hat, besonders an Hölzer.

Nun also, weil wir nicht ein jeden bei Herz und Mund haben danken können, so wird doch Gott im Himmel, der alle Menschen Herzen kennt und weiss, daß wir unsern Dank gerne dargelegt hätten, also empfehlen wir Gott ihre liebevollen Herzen zur vergeltung an jenem Tage, an wo er jede Gabe, dem Geringsten aus Liebe zu ihm erwiesen, als ihm selbst gegeben ansehen und vergelten wird
Amen.

Großberghofen den 30. März 1824.

Von der Chronik abgeschrieben von Simon Hutter, Gütler zum Bökschuster in Großberghofen während der Weihnachtsfeiertage im Jahre 1922. Hundert Jahre nach dem Brande.

Ohne Abänderungen in Rechtschrift und Zeichensetzung, in Maschinenschrift übertragen im August 1965 von Blasius Thätter, Walkertshofen.